endodontie

damit tote zähne nicht krank machen

Wenn Karies nicht rechtzeitig behandelt wird, können Bakterien soweit ins Zahninnere vordringen, dass sie den Zahnnerv erreichen und eine Entzündung hervorrufen. Ohne Behandlung stirbt der Zahn dann ab und wird zu einer schweren Belastung für den ganzen Körper.

Prinzipiell ist die Erhaltung eines jeden Zahnes sinnvoll, wenn er durch Kariesbefall nicht zu stark zerstört wurde. Eine sinnvolle Möglichkeit, einen Zahn zu erhalten, dessen Mark abgestorben oder schwer geschädigt ist, besteht in einer Wurzelkanalbehandlung. Für den Zahnarzt gehört das Verfahren zur „Endodontie“ – „das Innere des Zahnes betreffend“.

Wie kommt es zur „dicken Backe“?

Die Hohlräume in Zahnkrone und Wurzel sind mit Blut- und Lymphgefäßen und Nerven (der so genannten Pulpa) gefüllt. Die ersten Anzeichen einer Entzündung der Pulpa sind Schmerzen bei Kälte bzw. Wärme. Innerhalb kurzer Zeit können sich diese Warnzeichen zu massiven Zahnschmerzen ausweiten. Erfolgt keine rechtzeitige Behandlung, stirbt die Pulpa ab und die Entzündung geht über die Wurzelspitze auf den Kieferknochen über. Eine solche Infektion kann sich in akuten Fällen bis in die Weichteile des Gesichtes oder Halses ausbreiten („dicke Backe“). In anderen Fällen können die Entzündung und das Absterben der Pulpa auch völlig beschwerdefrei verlaufen, was aber keineswegs ungefährlicher ist. Denn das Resultat ist in jedem Fall ein toter Zahn.

Warum machen tote Zähne krank?

Tote Zähne werden für viele gesundheitliche Probleme verantwortlich gemacht, u. a. für niedergewichtige Frühgeburten sowie erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko. Viele so genannte Herderkrankungen stehen im Zusammenhang mit nicht behandelten toten Zähnen.

die rolle der zähne als krankheitsherd

Nach Untersuchungen der Universität Jena sind bei 50 % aller Herzklappenerkrankungen orale Bakterien beteiligt, die sich sehr häufig im Zahnbelag finden. Auch chronisch entzündliche Gelenkerkrankungen können durch Mundbakterien hervorgerufen oder verschlimmert werden. Da erscheinen Symptome wie chronische Müdigkeit ja direkt als harmlos…

Entscheidend für die fatale Rolle der Zähne als Krankheitsherd ist die Tatsache, dass sie über das Blut-, Lymph- und Nervensystem mit dem übrigen Organismus in Verbindung stehen. Daher können sich die Bakterien über die Eintrittspforte „toter Zahn“ im ganzen Organismus ausbreiten.

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Gesundheitliche Bedrohung durch erkrankte Zähne

Welcher gesundheitlichen Bedrohung man durch einen vereiterten Zahn ausgesetzt ist, wird am ehesten deutlich, wenn man bedenkt, dass noch vor ein paar hundert Jahren ein bis in den Nerv verfaulter Zahn aufgrund mangelnder Therapiemöglichkeiten eine häufige Todesursache war. Ein so erkrankter Zahn ist eine Durchtrittspforte für Bakterien, die ins sterile Körperinnere gelangen und bei einer schlechten Immunabwehr oder auch bei reduziertem Allgemeinzustand im Alter zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Früher bestand die einzige Heilungschance darin, einen solchen Zahn „reißen“ zu lassen, was in der Regel unter Schmerzen und mit viel Publikum auf dem Marktplatz erfolgte. Man verglich den Eiterzahn mit einem rostigen Nagel, der entfernt werden muss, damit der Körper in der Lage ist, die Entzündung auszuheilen.

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Auch heute ist ein solcher „Eiterzahn“, wenn er nicht richtig behandelt wird, eine große gesundheitliche Belastung, denn ein marktoter Zahn hat in seinem Inneren keine Blutgefäße mehr und kann somit auch nicht mehr über die körpereigene Abwehr verfügen. Die Bakterien vermehren sich daher im Zahninneren wie in einer geschützten Höhle und können von dort in den Knochen vordringen. Erst dann kann der Körper reagieren, hat aber keine Chance zu „siegen“, solange immer neue Bakterien nachkommen.

Was passiert bei der Wurzelbehandlung?

Das Mittel der Wahl, um einen toten Zahn zu erhalten, ist die sogenannte Wurzelbehandlung. Nachdem man die Ursache (zumeist Karies) beseitigt hat, muss das gesamte Wurzelkanalsystem bis an die Wurzelspitze dreidimensional gereinigt werden. Durch eine kleine Öffnung, die von oben in den Zahn gebohrt wird, werden totes Gewebe und Bakterien vollständig entfernt und das Kanalsystem sorgfältig desinfiziert. Erst dann wird der Zahn bis zur Wurzelspitze dreidimensional gefüllt und gegen erneuten Bakterienbefall versiegelt.

Warum arbeiten wir mit einem Operationsmikroskop?

Nachhaltige Heilung stellt sich allerdings nur ein, wenn wirklich alle Bakterien vollständig entfernt oder abgetötet werden können. Deshalb behandeln wir grundsätzlich nur unter Einsatz des Operationsmikroskops (Pro Ergo von Zeiss), um mit bis zu 20-facher Vergrößerung in die Wurzelkanäle hinabzuschauen. Eine Behandlung unter dem Mikroskop verbessert die Qualität der Therapie deutlich und erhöht damit signifikant die Chancen für eine erfolgreiche Zahnbehandlung.